Sensoren für die digitale Welt

Von Alexander Vucko,   Allgäuer Zeitung

Kaufbeuren Motoren und Maschinen würden ohne Sensoren, die Druck, Temperatur oder Dehnung messen, nicht funktionieren. Auf diese Technologie ist die Kaufbeurer Mikrosysteme Wiedemann (KMW) spezialisiert, neben Sensor-Technik Wiedemann (STW) ein weiteres Unternehmen der Wiedemann-Gruppe. Dort arbeiten auch Mikrotechnologen, ein in Kaufbeuren ebenso seltener wie gefragter Beruf. Unter Hochvakuum bringen sie bei KMW hauchdünne Strukturen im Mikronanometerbereich auf Trägermaterialien aus Stahl, Keramik oder Kunststoff auf, die zu Sensoren zur Messung von physikalischen Größen verarbeitet werden.

„Die Sensoren arbeiten hochpräzise, sind extrem robust und haben eine besonders hohe Lebensdauer“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Pelzel. „Für bestimmte Anwendungen sind KMW-Sensoren weltweit einzigartig.“ Forschung und Vorentwicklung für die Produkte und Herstellungsprozesse hätten das Ziel, „Prozesse zu optimieren, deren Parameter bislang nur schwer messbar und somit regelbar werden“. Unter anderem, weil keine entsprechende kostengünstige Sensorik zur Verfügung steht.

50 Mitarbeiter sind bei KMW beschäftigt, neben Physikern, Ingenieuren und Technikern eben auch besagte Mikrotechnologen. Derzeit absolvieren dort vier junge Leute die Ausbildung für diesen Beruf. „Wer sich für Naturwissenschaften wie Chemie und Physik begeistert, Fingerfertigkeit und Lernfreude besitzt, ist bei uns genau richtig“, sagt Lisa Fasser (26). Die Ausbilderin hat nach einer Lehre zur Medizinischen Fachangestellten den Beruf der Mikrotechnologin bei KMW gelernt und damit ihren Traumjob gefunden.

Nachdem die KMW seit vielen Jahren bereits Lieferant der Schwesterfirma STW ist, möchte das Unternehmen nun auch neue Märkte erschließen. Zum Kundenkreis möchte Pelzel noch nichts Konkretes sagen. Die KMW konzentriere sich jedoch auf Märkte und Kunden, die Themen wie CO 2 -Reduzierung und den Umgang mit erneuerbaren Energien angehen. Als Beispiele nennt er die Steuerung von Prozessen rund um den „Energieträger der Zukunft“, Wasserstoff, und die Optimierung von Verbrennungsmotoren. KMW-Sensoren sollen nach seinen Worten künftig für mehr Effizienz bei Einspritzvorgängen in großen Verbrennungsmotoren und Brennstoffzellen-Fahrzeugen sorgen. Gemeinsam mit einem Fahrzeughersteller sei ein Wasserstoffdruckmesssensor entwickelt worden. Auch in den Bereichen Luftfahrt und Medizin sieht Pelzel viele Möglichkeiten. Er geht von einem steten Wachstum des Unternehmens im Zuge der Digitalisierung und der wachsenden Wasserstoffwirtschaft aus. Neben dem Reinraum, in dem die Sensoren in sogenannter Dünnschichttechnik produziert werden, investiere das Unternehmen derzeit in neue Anlagen- und Prozesstechnik.

Mithalten in dieser Entwicklung müsse auch das personelle Wachstum, sagt Pelzel. Deshalb sucht das Unternehmen Mitarbeiter und Auszubildende. Fasser berichtet, dass die jungen Leute in diesem Beruf bei KMW für den eigenen Bedarf ausgebildet werden. In der dreijährigen Lehre werde eine Mischung aus Theorie und sogenanntem Hands-on-Training angestrebt. Ergänzt werde die betriebliche Ausbildung von regelmäßigen Unterrichtsblöcken an der Berufsschule für Metall- und Elektrotechnik in Regenburg. „Die KMW-Azubis schnuppern dort echtes Studentenleben“, sagt Fasser. Für Geschäftsführer Pelzel zählt vor allem eines: „Viele Entfaltungsmöglichkeiten in expandierenden Märkten.“